Lernmodul
Optimale Bestellmenge
Wirtschaftliche Bestellmengen berechnen.
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Hallo und herzlich willkommen auf unserer IHK-Lernplattform! Als angehende Industriekaufleute seid ihr im Beschaffungsmanagement täglich mit der Frage konfrontiert: Wie viel sollen wir bestellen? Heute tauchen wir gemeinsam in ein entscheidendes Thema ein: die Optimale Bestellmenge. Wir zeigen euch, wie ihr mit der richtigen Strategie Kosten minimiert und eure Beschaffungsprozesse effizient gestaltet.
Lernziele
- Die Optimale Bestellmenge definieren und ihr Ziel der Kostenminimierung erklären können.
- Die Andler-Formel zur Berechnung der Optimalen Bestellmenge korrekt anwenden und Rechenfehler vermeiden.
- Die Voraussetzungen, Grenzen und die praktische Bedeutung der Optimalen Bestellmenge für Industriekaufleute beurteilen können.
1.Stell dir vor, du bist im Einkauf tätig und musst Schrauben für die Produktion bestellen. Bestellst du zu oft kleine Mengen, hast du zwar wenig Lagerkosten, aber dafür unzählige Bestellvorgänge, die jeweils Geld kosten. Bestellt du hingegen selten riesige Mengen, sparst du Bestellkosten, aber dein Lager quillt über und verursacht hohe Kosten für Lagerhaltung, Kapitalbindung und vielleicht sogar Schwund. Das ist das klassische Dilemma der Lagerhaltung. Stell dir das Ganze wie eine Wippe vor: Auf der einen Seite sitzen die Bestellkosten, auf der anderen die Lagerkosten. Wenn du zu oft kleine Mengen bestellst, steigt die Seite der Bestellkosten. Wenn du zu selten große Mengen bestellst, steigt die Seite der Lagerkosten. Unser Ziel ist es, diese Wippe ins Gleichgewicht zu bringen, genau den Punkt zu finden, an dem die Summe beider Kostenarten am niedrigsten ist. Genau das ist die Optimale Bestellmenge.
VisuellGeneriere ein fotorealistisches Bild: Ein Industriekaufmann steht vor einem Lagerregal, das sowohl fast leere als auch überfüllte Bereiche zeigt. Er hält eine Waage in der Hand, die Kosten für 'Bestellung' und 'Lagerung' symbolisiert und…
2.Was genau ist die Optimale Bestellmenge, kurz OBM? Sie ist die wirtschaftlichste Bestellgröße, bei der die Summe aus Bestellkosten und Lagerkosten für eine bestimmte Periode, meist ein Jahr, minimal ist. Ihr Ziel ist also klar: die Minimierung der Gesamtkosten für Beschaffung und Lagerung. Lass uns die beiden Hauptkostenarten genauer betrachten. Bestellkosten sind fixe Kosten, die pro Bestellvorgang anfallen, unabhängig von der Menge. Dazu gehören zum Beispiel Personalkosten für den Einkauf, Kosten für die Wareneingangsprüfung oder die Rechnungsbearbeitung. Lagerkosten hingegen sind variable Kosten, die durch die Lagerung von Gütern entstehen. Hierzu zählen Mietkosten für das Lager, Personalkosten für die Lagerverwaltung, Versicherungen, aber auch Kosten für Kapitalbindung, Verderb oder Schwund. Ein zentraler Punkt ist, dass Bestellkosten sinken, je größer die Bestellmenge ist, während Lagerkosten steigen, je größer die Bestellmenge ist.
Visuell'Optimale Bestellmenge (OBM)' als Überschrift. Darunter eine Definition der OBM, gefolgt von zwei Spalten: 'Bestellkosten' und 'Lagerkosten' mit jeweils 3-4 prägnanten Beispielen wie 'Personalkosten Einkauf' und 'Kapitalbindungskosten'.
3.Schauen wir uns die Einflussfaktoren auf diese Kostenarten detaillierter an. Bei den Bestellkosten ist die Anzahl der Bestellungen entscheidend: Je mehr Bestellungen wir tätigen, desto höher sind die gesamten Bestellkosten. Ein höherer Automatisierungsgrad im Einkauf kann diese Kosten pro Bestellung senken. Auf der anderen Seite stehen die Lagerkosten, die maßgeblich von der Höhe des durchschnittlichen Lagerbestands abhängen: Je mehr wir lagern, desto höher sind die Gesamtkosten. Auch der Wert der gelagerten Güter spielt eine Rolle, da teurere Güter höhere Kapitalbindungskosten verursachen. Um die Optimale Bestellmenge zu berechnen, nutzen wir die sogenannte Andler-Formel. Sie lautet: Optimale Bestellmenge gleich die Quadratwurzel aus (zwei mal Jahresbedarf mal Bestellkosten pro Bestellung) geteilt durch (Einstandspreis pro Stück mal Lagerkostensatz pro Jahr). Die Variablen sind also unser Jahresbedarf, die fixen Bestellkosten pro Bestellung, der Einstandspreis pro Stück und der Lagerkostensatz pro Jahr in Prozent.
Visuell'Einflussfaktoren & Andler-Formel' als Überschrift. Eine Tabelle mit 'Bestellkosten' und 'Lagerkosten' und deren Einflussfaktoren. Darunter die Andler-Formel OBM = √( (2 * Jahresbedarf * Bestellkosten pro Bestellung) / (Einstandspreis pr…
4.Bevor wir die Andler-Formel anwenden, ist es extrem wichtig, ihre Voraussetzungen und Annahmen zu verstehen, denn nur unter diesen Bedingungen liefert sie ein gültiges Ergebnis. Die Formel geht von einem konstanten und bekannten Jahresbedarf aus – das heißt, wir wissen genau, wie viel wir im Jahr benötigen. Die Bestellkosten pro Bestellung und die Lagerkosten pro Stück und Zeiteinheit müssen ebenfalls fest und konstant sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der konstante Einstandspreis; die Formel berücksichtigt also keine Mengenrabatte. Außerdem wird angenommen, dass die Lieferung sofort und vollständig erfolgt und keine Sicherheitsbestände erforderlich sind. Auch Lieferengpässe oder Produktionsausfälle sind in diesem Modell nicht vorgesehen. Diese Annahmen zeigen, dass die Andler-Formel ein statisches Modell ist. In der Praxis müssen wir daher immer prüfen, ob diese Idealbedingungen tatsächlich gegeben sind oder ob Anpassungen notwendig werden.
Visuell'Voraussetzungen der Andler-Formel' als Überschrift. Eine Liste mit 5-6 klaren Annahmen der Formel, visuell als 'Fundament' oder 'Eckpfeiler' dargestellt. Beispiele: konstanter Jahresbedarf, feste Kosten, keine Mengenrabatte.
5.Jetzt wird es praktisch! Stellen wir uns vor, du bist Industriekaufmann und musst Standard-Schrauben M10x50 beschaffen. Dein Jahresbedarf beträgt 120.000 Stück. Die Bestellkosten pro Bestellvorgang liegen bei 85 Euro. Der Einstandspreis pro Schraube beträgt 0,15 Euro und der Lagerkostensatz pro Jahr liegt bei 15 Prozent, also 0,15. Setzen wir diese Werte in die Andler-Formel ein: OBM gleich die Quadratwurzel aus (2 mal 120.000 Stück mal 85 Euro) geteilt durch (0,15 Euro mal 0,15). Zuerst berechnen wir den Zähler: 2 mal 120.000 mal 85 ergibt 20.400.000. Dann den Nenner: 0,15 mal 0,15 ergibt 0,0225. Jetzt dividieren wir den Zähler durch den Nenner: 20.400.000 geteilt durch 0,0225 ergibt 906.666.666,67. Zum Schluss ziehen wir die Quadratwurzel aus diesem Wert. Das Ergebnis ist etwa 30.111. Die optimale Bestellmenge für diese Schrauben beträgt also ungefähr 30.111 Stück.
Visuell'Berechnungsbeispiel: Optimale Bestellmenge für Schrauben' als Überschrift. Eine übersichtliche Darstellung der Eingabewerte (Jahresbedarf 120.000 St., Bestellkosten 85€, Einstandspreis 0,15€, Lagerkostensatz 15%) und dann die schrittwei…
6.Bei der Anwendung der Andler-Formel schleichen sich leider oft Fehler ein. Ein sehr häufiger Fehler ist die falsche Berechnung der Lagerkosten im Nenner der Formel. Oft wird der Lagerkostensatz nicht mit dem Einstandspreis multipliziert, oder es wird ein absoluter Betrag statt des korrekten Prozentsatzes verwendet. Denk daran: Der Lagerkostensatz bezieht sich immer auf den Wert der gelagerten Güter. Eine weitere typische Fehlerquelle ist das Vergessen der Quadratwurzel am Ende der Berechnung. Ohne sie ist das Ergebnis natürlich völlig falsch. Auch die Verwechslung von Jahresbedarf und der einzelnen Bestellmenge kann zu falschen Ergebnissen führen. Und ganz wichtig: Manchmal wird vergessen, dass die Formel nur unter bestimmten Annahmen gilt und nicht blind angewendet werden sollte. Diese kritische Betrachtung ist entscheidend, um die Ergebnisse richtig zu interpretieren und im Kontext der Praxis zu bewerten.
Visuell'Häufige Fehler bei der OBM-Berechnung' als Überschrift. Eine Liste der typischen Fehler, visuell mit einem roten Kreuz oder Warnsymbol versehen. Beispiele: Falsche Lagerkostenberechnung, Vergessen der Quadratwurzel, Missachtung der Anna…
7.So nützlich die Andler-Formel auch ist, wir müssen ihre Grenzen in der Praxis kennen. Sie ist ein statisches Modell, das dynamische Faktoren wie schwankenden Bedarf, plötzliche Preisänderungen oder attraktive Mengenrabatte nicht berücksichtigt. Wenn dein Lieferant zum Beispiel bei größeren Abnahmemengen günstigere Preise anbietet, kann eine Bestellung oberhalb der rechnerischen OBM wirtschaftlicher sein. Praktische Einschränkungen wie Mindestbestellmengen, feste Verpackungseinheiten oder vorgegebene Lieferfristen können die Anwendung ebenfalls erschweren. Du kannst oft nicht exakt die errechnete Menge bestellen. Auch qualitative Aspekte wie Lieferantenbeziehungen, die Flexibilität des Lieferanten oder Nachhaltigkeitsaspekte bleiben unberücksichtigt. Hinzu kommt der hohe Datenbedarf: Eine genaue Ermittlung aller Kostenfaktoren ist oft aufwendig und kann in kleinen Unternehmen eine Herausforderung sein. In der Praxis dient die OBM daher oft als Richtwert, der durch weitere Überlegungen ergänzt und angepasst werden muss.
Visuell'Grenzen & Kritik der Andler-Formel' als Überschrift. Eine Liste der praktischen Einschränkungen und Nachteile, visuell als 'Risse im Fundament' oder 'Stolpersteine' dargestellt. Beispiele: statische Betrachtung, keine Mengenrabatte, Min…
8.Fassen wir zusammen: Die Optimale Bestellmenge hilft uns, die Gesamtkosten aus Beschaffung und Lagerung zu minimieren. Wir haben gelernt, dass sie ein Kompromiss zwischen hohen Bestellkosten bei kleinen Mengen und hohen Lagerkosten bei großen Mengen ist. Die Andler-Formel ist unser Werkzeug zur Berechnung, aber wir müssen ihre Voraussetzungen kennen und kritisch hinterfragen. Für euch als Industriekaufleute ist das Verständnis der OBM unerlässlich. Sie bildet eine wichtige Grundlage für eure Entscheidungen im Beschaffungsmanagement, auch wenn ihr sie in der Praxis oft anpassen müsst, um dynamische Faktoren wie Mengenrabatte oder Mindestbestellmengen zu berücksichtigen. Ein Prüfungstipp: Für die IHK-Prüfung ist es entscheidend, nicht nur die Formel anwenden zu können, sondern auch die zugrundeliegenden Annahmen und die Grenzen des Modells zu kennen. Das zeigt euer tiefes Verständnis über die reine Rechenfähigkeit hinaus und ist ein klarer Pluspunkt!
VisuellGeneriere ein fotorealistisches Bild: Ein selbstbewusster Industriekaufmann sitzt an einem Schreibtisch, vor ihm ein Tablet mit einer Grafik, die die Balance zwischen Bestell- und Lagerkosten darstellt. Er nickt zustimmend, im Hintergrun…
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Die Optimale Bestellmenge minimiert die Gesamtkosten aus Bestell- und Lagerkosten. Die Andler-Formel hilft bei der Berechnung, erfordert jedoch die Berücksichtigung ihrer Annahmen und Grenzen.
EINLEITUNG
Die Optimale Bestellmenge ist ein zentrales Konzept im Beschaffungsmanagement, das darauf abzielt, die Gesamtkosten aus Bestell- und Lagerkosten zu minimieren. Für Industriekaufleute ist es wichtig, diese Konzepte zu verstehen, um effiziente Beschaffungsstrategien zu entwickeln.
KERNPUNKTE
Die Optimale Bestellmenge ist die Bestellgröße, bei der die Summe aus Bestell- und Lagerkosten minimal ist. Bestellkosten sind fixe Kosten pro Bestellung, während Lagerkosten variabel sind und durch die Lagerung entstehen. Die Andler-Formel berechnet die Optimale Bestellmenge und lautet: OBM = √((2 * Jahresbedarf * Bestellkosten) / (Einstandspreis * Lagerkostensatz)). Diese Formel setzt konstante Bedingungen voraus, wie einen festen Jahresbedarf und konstante Kosten.
PRAXISBEZUG
In der Praxis kann die Optimale Bestellmenge durch Faktoren wie Mengenrabatte oder Mindestbestellmengen beeinflusst werden. Ein Beispiel: Ein Unternehmen benötigt 120.000 Schrauben pro Jahr, die Bestellkosten betragen 85 Euro pro Bestellung, der Einstandspreis 0,15 Euro und der Lagerkostensatz 15%. Die Berechnung ergibt eine OBM von etwa 30.111 Stück. Solche Berechnungen helfen, die Beschaffungskosten zu optimieren.
FAZIT
Die Optimale Bestellmenge ist ein wertvolles Instrument zur Kostensenkung im Beschaffungsmanagement. Die Andler-Formel bietet eine Grundlage, erfordert jedoch eine kritische Bewertung der Annahmen und Anpassungen an die Praxisbedingungen. Ein tiefes Verständnis der OBM unterstützt Industriekaufleute bei fundierten Entscheidungen.
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