Lernmodul
Eigen- und Fremdfinanzierung
Grundsätzliche Finanzierungsformen im Überblick.
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Hallo und herzlich willkommen! Heute tauchen wir gemeinsam in ein zentrales Thema der Unternehmenswelt ein: die Finanzierung. Jedes Unternehmen, ob groß oder klein, braucht Kapital, um zu wachsen und erfolgreich zu sein. Wir beleuchten die unterschiedlichen Wege, wie Unternehmen an dieses Kapital kommen, und warum das für euch als angehende Steuerfachangestellte so wichtig ist.
Lernziele
- Du kannst die grundlegenden Formen der Eigen- und Fremdfinanzierung klar voneinander unterscheiden.
- Du beurteilst die Auswirkungen verschiedener Finanzierungsformen auf Bilanz, GuV und wichtige Kennzahlen aus steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht.
- Du erkennst die Bedeutung der Finanzierungsstruktur für die Unternehmensbewertung und Kreditwürdigkeit.
1.Stell dir vor, du möchtest ein Haus bauen. Das ist ein großes Projekt, das viel Kapital erfordert. Woher kommt das Geld? Ein Teil könnte dein eigenes Erspartes sein – das wäre dann dein Eigenkapital. Der größere Teil kommt aber oft von der Bank als Kredit – das ist dann Fremdkapital. Genau dieses Prinzip der Kapitalbeschaffung und -bereitstellung ist die Finanzierung im Unternehmen. Sie ist das Fundament für Investitionen, Wachstum und den laufenden Betrieb. Als Steuerfachangestellte werdet ihr immer wieder mit Finanzierungsfragen konfrontiert, sei es bei der Erstellung des Jahresabschlusses, der steuerlichen Beratung oder der Analyse von Unternehmenskennzahlen. Darum ist es so wichtig, die Unterschiede und Besonderheiten genau zu kennen.
VisuellGeneriere ein fotorealistisches Bild: Ein junges Paar steht vor einem halbfertigen Haus, im Hintergrund ein Bauleiter, der Pläne erklärt. Die Szene vermittelt den Beginn eines großen Projekts, das Finanzierung benötigt.
2.Finanzierung ist also die Beschaffung und Bereitstellung von Kapital zur Deckung des Kapitalbedarfs eines Unternehmens. Wir unterscheiden hierbei grundsätzlich zwei Hauptformen: die Eigenfinanzierung und die Fremdfinanzierung. Die Unterscheidung basiert auf der Herkunft des Kapitals und den damit verbundenen Rechten und Pflichten. Bei der Eigenfinanzierung stammt das Kapital von den Eigentümern oder wird aus dem Unternehmen selbst erwirtschaftet. Es steht dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung. Im Gegensatz dazu kommt das Fremdkapital von externen Gläubigern. Es ist befristet, muss verzinst und zurückgezahlt werden. Diese grundlegende Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der weiteren Aspekte, und wir werden sehen, dass sowohl Eigen- als auch Fremdkapital aus internen (Innenfinanzierung) oder externen (Außenfinanzierung) Quellen stammen kann.
Visuell'Finanzierung: Die Beschaffung und Bereitstellung von Kapital' als Überschrift. Darunter zwei Spalten: 'Eigenfinanzierung' und 'Fremdfinanzierung' mit kurzen Beschreibungen zu Herkunft (Eigentümer vs. Externe Gläubiger) und Merkmalen (un…
3.Beginnen wir mit der Eigenfinanzierung. Eigenkapital ist das Kapital, das dem Unternehmen von den Eigentümern zur Verfügung gestellt wird oder aus Gewinnen stammt und unbefristet haftet. Es ist das risikotragende Kapital eines Unternehmens. Die Quellen der Eigenfinanzierung sind vielfältig: Erstens die **Beteiligungsfinanzierung**, eine Form der **Außenfinanzierung**, bei der Gesellschafter Einlagen leisten oder neue Aktien ausgegeben werden. Zweitens die **Selbstfinanzierung**, eine **Innenfinanzierung**, bei der Gewinne nicht ausgeschüttet, sondern im Unternehmen einbehalten werden, auch Gewinnthesaurierung genannt. Ein wichtiger steuerlicher Aspekt hierbei: Thesaurierte Gewinne sind bereits auf Unternehmensebene versteuert und können somit ohne *sofortige* weitere Steuerbelastung für Reinvestitionen genutzt werden, was eine effiziente Kapitalbindung ermöglicht. Und drittens die **Verflüssigungsfinanzierung** durch Desinvestition, also den Verkauf von nicht mehr benötigtem Anlagevermögen. In der Bilanz finden wir das Eigenkapital auf der Passivseite unter Posten wie Gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklage, Gewinnrücklagen und Gewinnvortrag.
Visuell'Eigenfinanzierung im Fokus'. Zeige als Überschrift 'Eigenkapital: Merkmale & Quellen'. Liste auf: Herkunft (Eigentümer), Verfügbarkeit (unbefristet), Haftung (voll). Darunter 'Arten der Eigenfinanzierung': Beteiligungsfinanzierung (Gese…
4.Kommen wir nun zur Fremdfinanzierung. Fremdkapital ist Kapital, das dem Unternehmen von externen Gläubigern zur Verfügung gestellt wird. Es ist befristet, muss verzinst und fristgerecht zurückgezahlt werden. Die Quellen der Fremdfinanzierung sind ebenfalls vielfältig: Am häufigsten ist die **Kreditfinanzierung** durch Bankdarlehen, Lieferantenkredite oder die Ausgabe von Anleihen. Diese sind typische Beispiele für die **Außenfinanzierung** mit Fremdkapital. Eine weitere wichtige Form ist die **Finanzierung aus Rückstellungen**. Das sind Passivposten in der Bilanz für ungewisse Verbindlichkeiten oder drohende Verluste, die Liquidität im Unternehmen binden und somit eine Form der **Innenfinanzierung** darstellen können, da hier Kapital im Unternehmen verbleibt, das für zukünftige, aber noch ungewisse Verbindlichkeiten gebunden ist. Bilanzseitig wird Fremdkapital auf der Passivseite als Verbindlichkeiten und Rückstellungen ausgewiesen. Steuerlich ist hier ein wichtiger Vorteil zu beachten: Fremdkapitalzinsen sind in der Regel als Betriebsausgaben abzugsfähig und mindern somit den zu versteuernden Gewinn.
Visuell'Fremdfinanzierung verstehen'. Zeige als Überschrift 'Fremdkapital: Merkmale & Quellen'. Liste auf: Herkunft (externe Gläubiger), Befristung (befristet), Rückzahlung (pflicht), Zinsen (pflicht). Darunter 'Arten der Fremdfinanzierung': Kr…
5.Schauen wir uns jetzt den direkten Vergleich an, um die Unterschiede zu verinnerlichen. Wir betrachten wichtige Kriterien wie Kapitalgeber, Herkunft (Innen-/Außenfinanzierung), Verfügbarkeit, Kosten, Haftung, Unabhängigkeit, Bonität, steuerliche Aspekte und bilanzielle Darstellung. Bei der Eigenfinanzierung sind die Kapitalgeber die Eigentümer. Die Kapitalherkunft kann **extern** (z.B. Gesellschaftereinlagen) oder **intern** (z.B. Gewinnthesaurierung) erfolgen. Das Kapital steht unbefristet zur Verfügung, und die Kosten sind der Gewinnanspruch. Die Eigentümer haften voll. Das Unternehmen bleibt unabhängiger, seine Bonität wird gestärkt. Steuerlich erfolgen Gewinnausschüttungen nach Steuern, wobei thesaurierte Gewinne bereits auf Unternehmensebene versteuert sind. Bilanzseitig ist es als Eigenkapital zu finden. Bei der Fremdfinanzierung kommen die Kapitalgeber von extern (z.B. Banken). Die Kapitalherkunft kann ebenfalls **extern** (z.B. Bankdarlehen) oder **intern** (z.B. Finanzierung aus Rückstellungen) sein. Das Kapital ist befristet, und es fallen Zins- und Tilgungspflichten an. Gläubiger haften nicht direkt am Geschäftsrisiko.
Visuell'Vergleich: Eigenfinanzierung vs. Fremdfinanzierung' als Überschrift. Nutze eine Vergleichstabelle mit den Spalten 'Kriterium', 'Eigenfinanzierung' und 'Fremdfinanzierung'. Zeige die Zeilen für: Kapitalgeber, Herkunft (Innen-/Außenfinanz…
6.Ein häufiger Fehler, den wir korrigieren müssen, ist die Annahme, dass 'Finanzierung aus Abschreibungen' neues Eigenkapital schafft. Das ist nicht korrekt! Abschreibungen sind zwar ein Aufwand, der nicht zu Auszahlungen führt und somit Liquidität im Unternehmen bindet. Diese freigesetzte Liquidität kann für Reinvestitionen genutzt werden. Sie generieren aber kein neues Kapital und schon gar kein Eigenkapital. Es handelt sich hierbei um eine Form der **Innenfinanzierung**, die Liquidität freisetzt, aber keine echte Kapitalquelle im Sinne einer Gewinnentstehung ist. Echte Selbstfinanzierung aus Gewinnen ist die Einbehaltung von erwirtschafteten Überschüssen, die das Eigenkapital erhöhen. Finanzierung aus Abschreibungen oder Rückstellungen ist eine Form der **Innenfinanzierung**, die Liquidität im Unternehmen belässt, die ansonsten abfließen würde. Sie ist jedoch keine Zuführung von neuem Eigenkapital, sondern eher eine fremdkapitalähnliche Form der Kapitalfreisetzung, da sie keine neuen Mittel von außen zuführt oder Gewinne generiert.
Visuell'Häufiger Fehler: Abschreibungen schaffen kein Kapital!'. Zeige eine große rote X über der Aussage 'Abschreibungen = neues Kapital'. Darunter die korrekte Erklärung: 'Abschreibungen setzen Liquidität frei für Reinvestitionen, generieren…
7.Die Wahl der Finanzierungsform hat weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmensbilanz und wichtige Kennzahlen. Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital, auch Kapitalstruktur genannt, beeinflusst maßgeblich die Bonität und Unabhängigkeit eines Unternehmens. Eine hohe Eigenkapitalquote, berechnet als Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital mal 100 Prozent, signalisiert Stabilität und stärkt die Kreditwürdigkeit. Ein hoher Verschuldungsgrad, also Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital, kann die Bonität hingegen schwächen. Fremdfinanzierung wirkt sich auch auf die Gewinn- und Verlustrechnung aus, da Zinsaufwendungen den Gewinn mindern. Hier kommt der sogenannte Leverage-Effekt ins Spiel: Durch den Einsatz von Fremdkapital kann die Eigenkapitalrentabilität gesteigert werden, wenn die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins. Bei zu hohem Fremdkapitalanteil kann dieser Effekt jedoch auch negativ werden und die Eigenkapitalrentabilität sinken lassen.
Visuell'Finanzierungsstruktur: Kennzahlen & Auswirkungen'. Zeige die Formeln für 'Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital * 100%' und 'Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital'. Illustriere mit einem Diagramm, wie ein höherer Fr…
8.Zusammenfassend lässt sich sagen: Versteht die Merkmale und Quellen von Eigen- und Fremdkapital genau. In der Prüfung solltet ihr die Auswirkungen auf die Bilanz, insbesondere die Passivseite, und die Gewinn- und Verlustrechnung, Stichwort Zinsaufwendungen, klar darstellen können. Beherrscht die Berechnung und Interpretation wichtiger Kennzahlen wie der Eigenkapitalquote und des Verschuldungsgrades. Ganz wichtig sind auch die steuerlichen Implikationen: Merkt euch die Abzugsfähigkeit von Zinsen als Betriebsausgaben und die Bedeutung der Zinsschranke, sowie die steuerliche Behandlung thesaurierter Gewinne und Gewinnausschüttungen. Für eure spätere Tätigkeit als Steuerfachangestellte ist dieses Wissen von unschätzbarem Wert, um Mandanten kompetent zu beraten und Jahresabschlüsse korrekt zu erstellen. Es bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen und eine solide Finanzplanung im Unternehmen.
Visuell'Prüfungswissen: Finanzierung'. Liste die wichtigsten Punkte auf: 1. Unterscheidung Eigen- vs. Fremdkapital (Merkmale, Quellen). 2. Bilanzielle Darstellung (Passivseite). 3. GuV-Auswirkungen (Zinsaufwendungen). 4. Kennzahlen (Eigenkapita…
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Finanzierung ist die Beschaffung von Kapital für Unternehmen, um Investitionen und Wachstum zu ermöglichen. Es gibt zwei Hauptformen: Eigenfinanzierung, bei der Kapital von Eigentümern stammt, und Fremdfinanzierung, bei der Kapital von externen Gläubigern kommt. Beide Formen haben unterschiedliche Auswirkungen auf Bilanz, GuV und Unternehmenskennzahlen.
EINLEITUNG
Finanzierung ist ein zentrales Thema in der Unternehmenswelt, da jedes Unternehmen Kapital benötigt, um zu wachsen und erfolgreich zu sein. Für angehende Steuerfachangestellte ist es wichtig, die verschiedenen Finanzierungsformen zu verstehen, da sie Auswirkungen auf die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung und wichtige Kennzahlen haben.
KERNPUNKTE
Es gibt zwei Hauptformen der Finanzierung: Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung. Eigenfinanzierung erfolgt durch Kapital von Eigentümern oder aus Gewinnen, während Fremdfinanzierung durch externe Gläubiger erfolgt. Eigenkapital ist unbefristet und risikotragend, während Fremdkapital befristet ist und Zinsen erfordert. Beide Formen können aus internen oder externen Quellen stammen. Die Wahl der Finanzierungsform beeinflusst die Kapitalstruktur, die Bonität und steuerliche Aspekte.
PRAXISBEZUG
In der Praxis bedeutet Eigenfinanzierung oft, dass Unternehmen Gewinne einbehalten oder neue Aktien ausgeben. Fremdfinanzierung erfolgt häufig durch Bankkredite oder Anleihen. Steuerlich sind Fremdkapitalzinsen abzugsfähig, was den Gewinn mindert. Ein hoher Eigenkapitalanteil stärkt die Kreditwürdigkeit, während ein hoher Verschuldungsgrad sie schwächen kann.
FAZIT
Das Verständnis der Finanzierungsformen ist entscheidend für die Erstellung von Jahresabschlüssen und die Beratung von Mandanten. Die Kenntnis der Auswirkungen auf Bilanz und GuV sowie der steuerlichen Implikationen ermöglicht fundierte Entscheidungen und eine solide Finanzplanung.
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